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Wenn man als Touristiker und insbesondere als Reiseleiter, mit seinen lieben Gästen auf der weiten Welt umher reist, ist so Einiges zu erleben. Auf jeden Fall ist es sehr oft ein zwischenmenschliches Abenteuer. Mit den meisten Reisegästen hat man viel Freude und pflegt nach Jahren noch guten Kontakt.
Andere Reiseteilnehmer bereiten unterwegs und manchmal bereits schon bei der Buchung im Reisebüro nichts wie Ärger. Gar nichts ist ihnen gut genug. Reiseleiter und Hoteliers betrachten sie als Lakaien und andere mitreisende Gäste als Störfaktor.
Und dann gibt es noch eine Kategorie von Reisegästen über die man sich nur wundern oder auch manchmal nur amüsieren kann.

Die Frankfurter Stammkundin

Im Zentralbüro des Frankfurter Busreiseveranstalters tauchte eine ältere Dame auf, um eine kleine Busreise in die Schweiz zu buchen. Immer wieder betonte die Frau im Gespräch mit den Reisebüromitarbeitern, seit Jahrzehnten als treue Stammkundin ständig mit den Bussen des Unternehmens unterwegs zu sein.
Kurz bevor sich die Kundin verabschiedete hatte sie noch eine Frage:
„Ei gell, euerne Busse fahrn doch wie immer in de Löwegass ab?“
Der treuen Stammkundin musste leider erklärt werden, dass die Busse bereits seit etwa 25 Jahren an anderer Stelle starten.

New York peinlich, peinlich

Seit über 20 Minuten wartete die gesamte Reisegruppe vor dem Hotel in New York zur Weiterreise nach Boston. Zwei Damen mittleren Alters wurden an der Rezeption ewig nicht fertig. Es ging um die Abrechnung.
Als sie dann endlich den Bus bestiegen, wollten die restlichen Reiseteilnehmer natürlich wissen, wo das Problem denn gelegen hätte. Etwas stockend erzählten die Beiden, sie seien gestern Abend aus reinem Versehen an die Taste „Pay-TV“ des Fernsehers gekommen und sahen sich danach genötigt, mehrere Pornofilme hintereinander anzuschauen, da das Gerät nicht mehr auszuschalten gewesen sei.
Sie schimpften, dass die Rezeption jetzt auch noch 20 Dollar haben wollte, statt sich zu entschuldigen und sie für die entgangene Nachtruhe zu entschädigen.

Russisches Roulette

Auf einer Bus-Rundreise durch die Ukraine und Russland musste Herr P. aus Frankfurt unterwegs die Gruppe verlassen, da plötzlich auftretende gesundheitliche Beschwerden einen kleinen Eingriff im Krankenhaus nötig werden ließen. Herr P. sollte danach sofort nach Deutschland zurückgeflogen werden, da die Busgruppe ihre Reise fortsetzen musste.
Da Herr P. keine Versicherung abgeschlossen hatte, sollte er den Heimflug selbst bezahlen. Die Krankenhauskosten übernahmen die Russen.
Herr P. gab an, kein Geld für den Rückflug zu besitzen. Er weigerte sich aber auch ein Papier zu unterschreiben, in dem er bestätigen sollte, den von der deutschen Botschaft verauslagten Flug sofort nach seiner Rückkunft in Frankfurt zurückzuzahlen.
Die russischen Ärzte machten daraufhin kurzes Federlesen. Sie hingen die für den Eingriff erforderlichen Gerätschaften an die Deckenlampe des Krankenzimmers und erklärten dem überraschten Patienten: „Nix Unterschrift, nix Eingriff“ und verließen das Zimmer. Herrn P., dem seine Beschwerden inzwischen erhebliche Schmerzen verursachten, griff daraufhin in seine alte abgewetzte Aktentasche, die er auf allen Reisen stets fest unterm Arm geklemmt hielt, zauberte eine dicke Brieftasche, aus der die Geldbündel nur so hervorquollen, heraus. Schimpfend klatschte er das Geld auf den Nachttisch und forderte lautstark den sofortigen medizinischen Eingriff.

Die Mumie im Badezimmer

Leise Hilferufe drangen aus dem Badezimmerfenster des Hotels in Dubrovnik. Was war passiert? Einer älteren Dame meiner deutschen Reisegruppe war die Badezimmertür zugeschlagen und die Türklinke versagte ihre Funktion. Dieselbe befand sich nämlich nicht mehr an der Tür, sondern in der Hand der unglücklichen Touristin. Man benachrichtigte den Reiseleiter, also mich. Mit Hilfe des ebenfalls herbeigerufenen Hoteldieners gelang es uns die Tür von außen mühelos zu öffnen.
Das Bild, das sich uns bot, war einmalig: Die Unglückliche, die sich splitternackt in dem Feuchtraum befand und sich so nicht zeigen wollte, hatte sich mit Toilettenpapier wie eine ägyptische Mumie eingewickelt – nur Füße, Kopf und Arme schauten noch hervor. In der Hand hielt sie stumm die Türklinke und in der anderen die leere Papprolle.

Kostenlose Extratour auf dem Nil

Um eine kurzfristig entstandene Programmlücke während einer Ägyptenreise zu überbrücken, spendierte der ägyptische Veranstalter für die Gruppe eine 2-stündige Bootsfahrt. Mit einer Segelfeluke, samt Getränken an Bord kreuzten die Reisenden auf dem Nil vor Luxor. Am Ostufer zogen die gewaltigen Anlagen des Luxortempels vorüber und am gegenüber liegenden Ufer die kargen Gebirgszüge von Theben-West.
Nach kurzer Zeit schon setzte allgemeines Maulen der Gruppe ein. Es sei zu warm, es sei zu windig, der Tee zu kalt, die Limonaden zu süß … Die geruhsam geplante Fahrt auf dem Nil – umrahmt von einmaliger Landschaft – drohte in eine Seeschlacht umzukippen. Auf einer entgegenkommenden Feluke, die direkt auf uns zusteuerte, stand am Bug, malerisch in seine weiße, wehende Galabia gehüllt, der ägyptische Veranstalter. Er wollte sich höchstpersönlich über den Verlauf des Extraprogrammes informieren. Auf seine Frage ob die Bootsfahrt gefalle, hörte man: Wunderbar! Einmalig! Danke! die Gruppe klatschte begeistert Beifall.
Kaum war das Schiffchen mit dem Veranstalter verschwunden, ging das Gemeckere weiter.
Lehrer auf Studienreise!

Unterwegs mit Herrn P. diesmal in Tunesien

Direkt vom Abendessen-Tisch wurden ich, der Leiter der Rundreise und unser Busfahrer zur Hotelleitung zitiert. Was war los?
Der Reisegast, Herr P., den der geneigte Leser schon im Artikel „Russisches Roulette“ kennen lernen durfte, hatte seinen Zimmerschlüssel im Schloss abgebrochen. Die Hotelrezeption schickte einen Boy, der mit einer spitzen Zange den Rest des unglücklichen Schlüssels aus dem Schloss entfernte. Mit einem Generalschlüssel, der für sämtliche Hotelzimmer passte, öffnete er ihm darauf die Zimmertür. Da im Moment kein Zimmerschlüssel zur Verfügung stand, versprach der Boy bis zum Morgen einen neuen zu besorgen. Herr P. wollte das nicht akzeptieren und verlangte den Generalschlüssel. Als der junge Tunesier diesem Wunsch nicht entsprach, erhielt er von Herrn P. ein paar schallende Ohrfeigen. Er entwand dem Jungen den Schlüssel und verschwand die Tür zuschlagend, tobend in seinem Zimmer.
Der Hoteldirektor gab mir und dem Busfahrer 30 Minuten Zeit, den „General“ an der Rezeption abzuliefern. Er drohte mit der Polizei und die ist in Tunesien nicht gerade zimperlich. Wir brauchten die Zeit bis zur letzten Sekunde, um ins Zimmer des immer noch tobenden Gastes zu gelangen, ihn taktisch zu überrumpeln um ihm letztendlich den Schlüssel aus der Tasche zu ziehen. Draußen hatte man inzwischen Wetten abgeschlossen, ob wir es schaffen.

Bangert maltesischer

Während einer Erlebnisreise über die Mittelmeerinsel Malta machte unsere Reisegruppe nach einer mehrstündigen, ziemlich anstrengenden Stadtbesichtigung von Valletta endlich eine Rast in einem Lokal direkt am Hafen. Die bunten Boote schaukelten in der Dünung, ein paar Möwen zogen ihre Kreise am blauen Himmel und der Rotwein funkelte verlockend in den Gläsern.
Nur eine Kleinigkeit störte die Urlaubsstimmung: Einige Tische weiter kreischte und brüllte ein kleiner Junge, der irgendeinen seiner tausend Wünsche nicht erfüllt bekam. Das Gebrüll wurde immer heftiger und die verzweifelte Mutter des Kindleins wusste sich keinen Rat mehr.
Als das Knäblein sich auch noch auf den Rücken warf, mit den Füßen in der Luft herumstrampelte und nur noch spitze, hohe Schreie ausstieß, war es mit der Geduld eines unserer Reiseteilnehmer zu Ende. Er sprang auf und erreichte mit wenigen energischen Schritten die „Quelle“ der nervtötenden Schreie. Bedrohlich beugte er sich über das am Boden zappelnde Kind und fluchte im besten Hessisch: „Jetzt halt endlich die Klapp du Bangert maltesischer!“ Es half. Sofort!. Der Aufenthalt war gerettet.

Baedecker-schlau in Kairo

Ein wichtiger und interessanter Programmpunkt der Ägypten-Studienreise ist immer der Besuch der Alabaster-Moschee in Kairo. Schon etwas müde vom Gewühl der 12Millionen-Stadt und der Hitze, genossen wir die Kühle und Ruhe in der Moschee. Im lockeren Kreis saßen die Teilnehmer meiner Reisegruppe auf den dicken, schweren Gebetsteppichen und lauschten der Geschichte des Islam, die unser ägyptischer Begleiter in lockerer und entspannter Art in bestem Deutsch zu erzählen wusste.
Nur eine bereits pensionierte Studienrätin stand, im Baedecker blätternd, daneben, um den Ägypter ständig zu verbessern – sei es nun seine deutsche Aussprache oder die Exaktheit von Jahreszahlen, die er der Einfachheit halber rundete. Genervt von dieser Besserwisserei, stand er plötzlich auf und bat die alte Lehrerin statt seiner in der Mitte des Kreises Platz zu nehmen, um den Vortrag fortzusetzen, da er als einfacher Ägypter ihr und dem Baedecker sowieso nicht das Wasser reichen könne.

Viele Grüße aus Marokko

Nach drei Tagen Aufenthalt in einem Luxushotel in Marrakesch setzen wir nun unsere Studienreise in den Süden Marokkos fort. Kaum jedoch hatten wir die Stadt verlassen und unser Reisebus kämpfte sich die steile Pass-Straße ins karge Atlasgebirge empor, wurde ich von der Seite angesprochen. „Wo gibts denn hier Briefmarken?“ Ein Mitreisender hatte wie üblich auf solchen Reisen unzählige Ansichtskarten geschrieben, um die Daheimgebliebenen über seine Abenteuer zu informieren, hatte jedoch während der ganzen Tage in Marrakesch keine Zeit gefunden, um auf der Post oder im gut sortierten Hotelshop die erforderlichen Briefmarken zu kaufen.
Jetzt in der steinigen Einöde bestand er darauf, dass ich als Reiseleiter umgehend für Briefmarken zu sorgen hätte, da er die bunten Karten spätestens am Abend einzuwerfen gedenke.
Ich wusste zwar nicht wo, aber nahm an, da muss wohl heute mal ein Felsspalt als Briefkasten dienen.

Keine Post aus Tunesien?

Eine etwas reifere Dame, die Mensch und Tier während unserer Tunesien-Rundreise damit nervte, ständig Ansichtskarten kaufen zu müssen, die dazu nötigen Briefmarken zu besorgen, die richtigen Postleitzahlen zu erfragen und dadurch des Öfteren die Reisegruppe zeitlich in Bedrängnis brachte, machte den wohl größten Fehler ihres Lebens:
Mit einem dicken Bündel von zirka 50 eng beschriebenen und frankierten Karten stand sie ratlos vor einem gelben Kasten und fragte ausgerechnet den Witzbold der Gruppe, ob das ein Briefkasten sei. Na klar, sagte der und lächelte verschmitzt, als das Kartenbündel im Schlitz des Abfallbehälters verschwand.

Neues von Herrn P.

Als Reiseleiter erinnert man sich an manche Gäste noch nach Jahren. Nicht immer positiv. Herr P., den der aufmerksame Leser schon aus vorausgegangenen Erzählungen kennt, ist ein solches Exemplar. Ich „freute“ mich immer wieder ihn auf einer Teilnehmerliste zu finden.
Nach einer langen und staubigen Tagesetappe mit zahlreichen Besichtigungen zwischen Tunis und Monastir, gönnte ich mir am Abend ein erfrischendes Bad im Swimmingpool des Hotels. Als Reiseleiter hatte ich die Zimmer verteilt und war wie üblich noch eine Weile an der Rezeption geblieben um eventuellen Zimmer-Reklamationen meiner Reisegruppe sofort nachgehen zu können.
Inzwischen also planschte ich im Pool vergnügt vor mich hin und dachte an nichts Schlimmes als plötzlich lautes Schimpfen und Schreien aus dem Hoteltrakt ertönte. An der Stimme erkannte ich sofort unsren Herrn P. und er wiederum erkannte seinen Reiseleiter beim Baden. Die übelsten Beschimpfungen prasselten nun vom Beckenrand auf mich hernieder. „Unfähige Sau und stinkfauler Typ“ gehörte noch zu den wenigen Titulierungen, die ich zu Papier zu bringen wage. Sein Kopf war knallrot und die Adern über den Schläfen schienen kurz vorm Platzen. Aber warum tobte Herr P. überhaupt am Beckenrand auf und nieder? Ich hatte doch gar nichts getan. Aber genau darum ging es: Ihm war nach ungefähr einer Stunde Aufenthalt in seinem Zimmer aufgefallen, dass eine zweite Wolldecke für eine eventuell kühle Nacht fehlte, während es sich sein Reiseleiter im Pool gemütlich machte.
In der Regel bemühe ich mich, auch solche kleinen Pannen sofort zu beheben und den Gästen meiner Reisegruppen zu helfen. In diesem besonderem Fall zog ich es jedoch vor, nur sehr tief Luft zu holen um zum anderen Ende des Pools zu tauchen.

Regenschirm und Parfüm über Bord

Strähniges, ungepflegtes Haar, ein uralter, zerknautschter Trenchcoat-Mantel und eine Plastiktüte in der Hand. Als Frau H. das Reisebüro zum ersten Mal betrat glaubten wir, sie wolle betteln. Aber nein, sie buchte eine teure Kreuzfahrt. Das tat sie dann regelmäßig. Zwei bis drei Mal im Jahr. Wie sie einmal im Vertrauen berichtete, besaß sie eine ganze Reihe Mietshäuser. Sie lebte von den Mieten, die sie anscheinend monatlich in bar kassierte. Das war zwar nur unsere Vermutung, da sie die Bezahlung ihre teueren Reisen stets ebenfalls in bar aus einer ihrer Plastiktüten hervorkramte. Die Geldbündel wurden immer von roten Gummiringen zusammengehalten, die sie aber immer wieder zurück verlangte.
Kurz nach der Rückkehr einer bestimmten Kreuzfahrt tauchte sie im Reisebüro auf um mitzuteilen, man solle sich bitte um die Wiederbeschaffung einiger Gegenstände,
die sie auf ihrer Schiffskabine vergessen habe, kümmern. Es handle sich um einen Regenschirm und eine Flasche Parfüm!
Mehrmals setzten wir uns mit der Reederei in Verbindung. Immer wieder bestätigte die Schifffahrtsgesellschaft, nichts gefunden zu haben. Das Ganze zog sich über Wochen hin. Immer wieder erkundigte sich Frau H. nach dem Stand der Dinge.
Irgendwann waren auch ihr die diesbezüglichen Besuche im Reisebüro zu viel und sie meinte eines Tages: „Ich werde mir jetzt einfach einen neuen Regenschirm kaufen. Den hole ich wieder bei Woolworth, da hatte ich den anderen auch her. Kostet dort nur 5 Euro.“ Auch auf weitere Nachforschungen nach dem verschollenen Parfüm verzichtete sie. „Da kaufe ich mir halt eine neue Flasche 4711, die andere war sowieso fast leer.“

Lehrer unterwegs in Libyen

Lehrer sind, besonders auf Reisen, ein ganz besonderes Völkchen. Nur sehr ungern lassen sie sich von der Reiseleitung etwas vorschreiben. Seien dies auch nur genaue Abfahrtszeiten oder Ausflugsprogramme. Außerdem wissen die Meisten von ihnen sowieso alles besser. Wie kommt auch ein Reiseleiter oder einheimischer Führer dazu einem Lehramts-Akademiker etwas beibringen zu wollen. Sorry, natürlich gibt es auch Ausnahmen. In den Schulferien hassen Reiseleiter ihren sonst so geliebten Job. Warum? Na, da kommen die Lehrer!
Studienreise durch Libyen: Mit gut ausgestattetem Reisebus war die Gruppe unterwegs. Die Hotels waren gut bis sehr gut und alle Reisegäste zufrieden bis begeistert. Alle Reisegäste? Nein!
Ein Lehrer-Ehepaar aus dem Odenwald war von morgens bis abends dabei sich bei mir, der Reiseleitung, zu beschweren. Manchmal sogar ziemlich lautstark. „Unterwegs auf der Sahara-Trasse in den Süden seien nicht genügend Toiletten. Sämtliches Personal sei nur faul und nicht schnell genug. Die Hotels total verdreckt…“
Auch das Personal in den Hotels wurde von den Beiden oft schikaniert.
Während der gesamten Reise musste ich mir mehrmals täglich diese Litaneien anhören. Ich fing an dieses Ehepaar zu hassen!
Zurück im Büro, flatterte mir einige Wochen nach dieser Reise ein Brief dieser Leute auf den Tisch: „Lieber Herr Hoffman, vielen Dank für diese fantastische Tour. Wir werden diese Wochen mit Ihnen in Libyen nie vergessen. Eine der schönsten und interessantesten Reisen unseres Lebens. Auch Dank noch mal für die supergute Organisation.“
Die meinten das tatsächlich ernst!

Namibia im Zelt? Niemals!

Während einer meiner vielen Namibia-Reisen, die sonst immer reibungslos durchgeführt werden konnten, hatte ich auch wieder einmal ein ständig nörgelndes Ehepaar in der Gruppe. Keine massiven Beschwerden, aber fortwährendes Nörgeln.
Als es nun nach einigen Tagen ins absolute „Outback“, ins Kaokoveld gehen sollte,
war es mit gut ausgestatteten Lodges und Hotels vorbei. Nun verlor das Ehepaar total die Nerven. Hier, wo die Nomadenstämme der Himba noch wie vor tausend Jahren halb nackt durch die Savanne wandern, wo bis vor wenigen Jahren noch nicht einmal befahrbare Pisten hinführten, genau hier stand uns nur ein Zeltcamp für die Übernachtung zur Verfügung. Allerdings für dortige Verhältnisse recht luxuriös. An jedem Zelt waren Privatdusche und WC angebaut. In jedem Zelt standen zwei bequeme und frisch bezogene Betten. Die Kost, die uns ein Koch zubereitete und die von liebenswürdigen Boys aufgetragen wurde, war köstlich und das gemeinsame Dinner untern südlichen Sternenhimmel ein unvergessliches Erlebnis.
Unsere „Beiden“ jedoch konnten an all dem keine Freude finden. Auf ihrer Indien-Reise vor ein paar Jahren, die ich damals ebenfalls begleitete, sei alles ganz anders gewesen. „Da hatten wir in Maharaja-Palästen gewohnt und in prunkvoll ausgestatten Sälen gespeist. Da war alles vom Feinsten. Und hier! Hier sollen wir nun in Zelten schlafen, haben kein elektrisches Licht. Nur Dreck. Wir haben doch keine Campingreise gebucht!“
Ich wies das Ehepaar darauf hin, dass sie meinen Informationsabend einige Wochen vor der Reise besucht hätten, und dabei den Teilnehmern der Reise neben vielen weiteren Infos auch gesagt wurde, dass neben den Hotels und Lodges auf dieser Tour auch ein Zeltcamp angefahren würde.
Die Antwort: „Das hätten wir niemals akzeptiert, wenn wir gewusst hätten, dass sie das ernst meinen. Wir dachten das wäre nur ein Spaß.“

Pfiffig gespart in Skandinavien

Der Koffer war kaum zu heben. Aber von Tag zu Tag verringerte sich sein Gewicht ein wenig. Nach 2 Wochen konnte der Busfahrer das Gepäckstück locker mit nur einem Finger heben, als er es wieder wie allmorgendlich im Bus verstaute. Der Koffer war inzwischen faktisch leer. Wir tourten auf einer16tägigen Gruppenreise durch Skandinavien.
Die Inhaber des Koffers waren, wie sich herausstellte ein pfiffiges Ehepaar aus Offenbach. Da sie gehört hatten, dass Getränke und besonders Bier in skandinavischen Ländern ziemlich teuer seien, hatten sie vorsorglich den kompletten Koffer mit Dosengetränken, vorzüglich Bierdosen, gefüllt. „Da sparen wir doch viel Geld!“ Der Busfahrer, der sich beim Verladen dieses Reiseutensils zumindest am Anfang der Reise fast jedes Mal beinahe den Rücken verrenkte, erhielt am Ende der Tour aber immerhin ein fürstliches Trinkgeld von 2 Mark. Ganz schön pfiffig, gell !

Endlich- Pippipause am Eismeer

Das Picknick in der freien Natur war zu Ende. Einige meiner Reisegäste verschwanden noch einmal schnell in den Büschen, denn Reisebusse mit WC waren hier oben im äußersten Norden Norwegens damals noch genau so rar wie Rasthäuser oder Toilettenanlagen. Wir waren mit unserer Reisegruppe unterwegs zum Eismeerhafen Berlevag, um das Hurtig-Postschiff zu erreichen.
Kaum hatte sich der Bus wieder in Bewegung gesetzt, als eine junge Dame aus den hinteren Sitzreihen zu mir kam. Sie müsse dringend eine Toilette aufsuchen. Mein Hinweis darauf, dass wir soeben eine Picknick- und Pippipause hinter uns hätten, nutzte wenig. Sie wies darauf hin, eine Pauschalrundreise mit einem Reiseunternehmen gebucht zu haben und eben dieses Reiseunternehmen hätte für Toiletten unterwegs zu sorgen. Sie bestand auf einen sofortigen Stopp an einer ordentlichen und gepflegten Toilettenanlage. Ich versuchte ihr vergeblich zu erklären, dass frühestens nach weiteren 3 bis 4 Fahrstunden im Hafen von Berlevag ein WC zu finden sei. Sie drohte mit Klage, mit Gericht und sogar mit der Bild-Zeitung.
Von Kilometer zu Kilometer wurde die Vegetation in der Tundra, durch die wir nun fuhren, immer spärlicher, so dass ein eventueller Ausflug in die kaum noch vor Blicken schützende Botanik trotz höchster Dringlichkeit immer entschiedener von der Dame abgelehnt wurde. Noch niemals habe ich am Ankunftsort jemand so flink den Bus verlassen sehen wie betreffende Dame am Abend in Berlavag.

Ich bin Reisender !

Touristen – das sind die Anderen
(Ein nicht ganz ernst zu nehmender Bericht in eigener Sache)
Geht Ihnen das auch so – wo man hinkommt, überall diese Touristen. Da fliegt man schon zehn bis zwölf Stunden, um mal ganz was anderes zu erleben, und was sieht man dann an der großen Chinesischen Mauer oder an den Wasserfällen von Iguaçú – ganze Scharen von Touristen!
Müssen denn diese Leute überall hin? Hat man denn noch nicht mal in einer einsamen Lodge im tiefsten Busch von Namibia vor diesem Pack seine Ruhe?
Da gibt man ein kleines Vermögen aus, um mit Alltours & Co. die exotische Welt von Key West zu entdecken, doch was passiert? Krethi und Plethi sind schon da! Sind es nicht die Meiers oder Schulzes aus Offenbach oder Wanne-Eickel, sind es zumindest die Smith’s oder Miller’s aus Idaho. Ist man denn niemals mal unter sich?
Natürlich ist man ab und zu im Urlaub auch gerne mal mit seinesgleichen zusammen. Allein schon wegen der schönen deutschen Muttersprache, da man das ausländische Kauderwelsch der Eingeborenen ja sowieso nicht versteht. Nein, mit gebildeten weltoffenen Menschen, besonders aus der Heimat, trifft man sich doch gern einmal im tiefen Ausland auf ein leckeres Bierchen und ein Schnitzel mit Pommes nach Tagen voller Sushi, Couscous und Palmwein.
Man plaudert dann stundenlang über seine vorjährigen Reisen zu den Wilden auf Neu Guinea oder den ungebildeten Amis, die noch nicht mal eine Bestellung auf Deutsch kapieren. Gerne erzähle ich dann zum Beispiel auch die Story, wie ich seinerzeit einem naiven Afrikaner gegen ein altes verschwitztes Hemd ein paar tolle Glasperlen abluchste oder eine splitternackte Eingeborene gegen ihren Willen mit etwas Geschick dann doch noch
fotografierte.
Aber nein, solche anspruchsvollen Gespräche mit anderen gebildeten Reisenden sind wirklich nur sehr selten zu verwirklichen. Meist trifft man nur Prolos, die besser zu Hause an ihren Stammtischen aufgehoben wären, als in der Welt umherzureisen, Flughäfen zu verstopfen und Hotels zu bevölkern, in denen ein wirklich Reisender dann seine Mühe hat, sich kulturell mit dem Reiseziel und den dort ansässigen Ausländern auseinander zu setzen. Touristen eben, schrecklich nicht wahr?

Aber im kommenden Jahr habe ich eine sehr preiswerte Gruppenreise zum Nordpol gebucht. Ein absoluter Geheimtipp! Aber ich denke mal, in einer paar Jahren ist es dort auch mit dem Anspruch und der Ruhe für uns Reisende vorbei. Dann werden wahrscheinlich auch wieder diese Touristen dort einfallen.

Herzlichst Ihr
Frank Hoffmann